Donnerstag, 13. Juli 2017

Die Leier des Orpheus: Samba, Microsoft und andere fixen kritische Kerberos-Lücke

Die Leier des Orpheus: Samba, Microsoft und andere fixen kritische Kerberos-Lücke

13.07.2017 13:43 Uhr Jürgen Schmidt

Durch einen simplen Fehler bei der Nutzung von Kerberos können sich Angreifer im Netz Zugriffsrechte auf Dienste wie Dateifreigaben erschleichen. Betroffen sind sowohl Windows- als auch Linux-Server beziehungsweise deren Clients.

Kerberos ist ein Authentifizierungs-Dienst, der in Netzen den Zugriff auf Server-Dienste wie Dateifreigaben regelt. Sowohl die Open-Source-Implementierung Heimdal als auch die Closed-Source-Umsetzung von Microsoft weisen einen Fehler auf, der es einem Angreifer im Netz erlaubt, die Authentifizierung auszuhebeln. Microsoft nutzt Kerberos in allen Windows-Versionen und Samba bettet in Version 4 Heimdal-Code ein. Dank koordinierter Disclosure gibt es jedoch für alle betroffenen Systeme Patches.

Der Fehler beruht darauf, dass die anfälligen Kerberos-Clients den Dienst-Namen (sname) in einem Ticket des Kerberos-Schlüssel-Servers (Key Distribtion Center, KDC) falsch ermitteln. Statt den kryptographisch gesicherten Wert aus einem verschlüsselten Datenfeld (enc_part) zu nehmen, nutzen sie dazu den unverschlüsselten und ungesicherten Namen. Auf Grund dieser Nachlässigkeit kann ein Man-in-the-Middle im Netz den Namen fälschen und somit gegenüber dem Client einen legitimen Server vortäuschen. Der Heimdal-Patch dafür besteht aus zwei geänderten Codezeilen; Microsofts im Rahmen des Juli-Patchdays veröffentlichtes Update dürfte nicht viel komplizierter ausfallen.

Nicht einlullen lassen

Wie sich das genau ausnutzen lässt, erläutern weder die Security-Advisories von Microsoft, Heimdal und Samba noch die Entdecker der Lücke. Letztere postulieren immerhin, dass es auf diesem Weg unter anderem möglich sein soll, Nutzer-Credentials abzugreifen. Allerdings muss der Angreifer dazu bereits die Kommunikation zwischen Client und Kerberos-Server mitlesen und manipulieren können. Einig sind sich alle Parteien, dass es sich um ein ernstes Problem handelt, und man die verfügbaren Updates möglichst schnell einspielen sollte.

Die Entdecker der Lücke benannten sie nach der Leier mit der Opheus in der griechischen Mythologie den Höllenhund Kerberos besänftigte, um in die Unterwelt hinab zu steigen und seine geliebte Eurydike von Hades zurück zu fordern. Neben eigener Web-Site, Namen und Logo warten sie übrigens sogar mit einer etwa einminütigen – natürlich auf einer Leier gespielten – Weise auf.

Die wichtigsten Links im Überblick:

(ju)


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