Dienstag, 11. Juli 2017

gfu-Zahlen zur Mediennutzung: Der Fernseher ist tot, es lebe der Fernseher

gfu-Zahlen zur Mediennutzung: Der Fernseher ist tot, es lebe der Fernseher

11.07.2017 14:30 Uhr Ulrike Kuhlmann

Der gfu-Vorsitzende Hans-Joachim Kamp im Gespräch mit Moderatoren Judith Rakers

(Bild: Ulrike Kuhlmann)

Die Erhebung der gfu bringt es an den Tag: Zwar lassen sich die Nutzer nicht mehr vorschreiben, wann sie fernsehgucken. Die Zeit vor der Glotze hat aber auch bei jüngeren Zuschauern zugenommen.

Kurz vor der IFA führt die gfu als Veranstalter der IFA jedes Jahr eine Erhebung zur Mediennutzung in deutschen Haushalten durch. Dieses Mal gab es einige erstaunliche Ergebnisse. Demnach ist der PC das meist genutzte Technikprodukt in deutschen Haushalten, dicht gefolgt vom Fernsehgerät. Das Smartphone steht hier erst an dritter Stelle, es folgen Internet-Router und Tablets.

Nach Altersgruppen differenziert sieht die Nutzung etwas anders aus. So liegt das Smartphone bei den 16 bis 39-Jährigen vorn, bei den über 60-Jährigen sind der PC und das TV gleich häufig genutzt vorn. Auch beim Einsatz von sonstigen Geräten wie Spiele-Konsolen, Audio-Streaming oder Smart-Home-Geräten tut sich eine altersbedingte Kluft auf – Konsolen sind bei jüngeren Nutzern deutlich beliebter, Musikstreaming nutzen nur 4 Prozent der über 60-Jährigen, aber 22 Prozent der unter 39-Jährigen.

Mehr Zeit vor dem Fernseher

Aber: Fast 60 Prozent der jüngeren Zuschauer (16 bis 39 Jahre) verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher als zuvor. Allerdings schauen sie dann nicht unbedingt lineares Fernsehen, sondern nutzen das große Display auch für die Wiedergabe von Mediatheken, Video-on-Demand-Dienste oder YouTube. Die Bezahlbereitschaft ist hier groß: Knapp 60 Prozent geben Geld für Programminhalte aus.

Unter den Streaming-Diensten steht Amazon Prime ganz oben in der Gunst der deutschen Nutzer: 73 Prozent der Zuschauer nutzen Amazon, was möglicherweise auch am weit verbreiteten FireTV liegen könnte. Netflix steht mit 41 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt von Google Play (28 Prozent), Maxdome (24 Prozent) und iTunes (22 Prozent). Hier sind die TV-Sendeanstalten bei den Mediatheken im Zugzwang, wenn sie sich weiterhin als Programmanbieter behaupten wollen.

4K ist angekommen

Als Top-Auswahlkriterium hat sich in diesem Jahr erstmals die Bildschirmauflösung etabliert: 47 Prozent wollen ein 4K-TV haben. Erst an zweiter Stelle steht die Bildgröße – im Vergleich zum Vorjahr haben Größe und Auflösung die Positionen gewechselt, 4K ist also endgültig ins Bewusstsein der Zuschauer gedrungen.

Die Bereitschaft für die Vernetzung des Fernsehers ist insgesamt leicht gestiegen, immerhin 31 Prozent der Befragten nennen diese als Kaufgrund. Es stehen bereits in 42 Prozent der deutschen Haushalte smarte Fernseher, wobei 88 Prozent dieser Geräte tatsächlich mit dem Internet verbunden sind – vier Prozent mehr als im Vorjahr. Über alle Altersgruppen gemittelt nutzen 56 Prozent der Zuschauer die smarten Funktionen im Alltag regelmäßig – bei der jüngeren Nutzergruppe sind es 65 Prozent. Lediglich 5 Prozent der Smart-TV-Nutzer haben in der aktuellen Befragung Datenschutz-Bedenken geäußert, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende der gfu, Hans-Joachim Kamp, gegenüber heise online.

Das TV darf teuer sein

Auf ihre konkreten Kaufabsichten befragt gaben 19 Prozent an, in diesem Jahr ein neues Smartphone kaufen zu wollen, gefolgt von neuen Geräten zur Körperpflege und für die Küche. Immerhin 13 Prozent haben Kaufbereitschaft für einen neuen Fernseher signalisiert. Dies ist eine bemerkenswert hohe Zahl angesichts der deutlich längeren Nutzungszyklen von TVs – diese stehen im MIttel mehr als fünf Jahre im Wohnzimmer, während Smartphones wesentlich schneller ausgewechselt werden.

Unter den potenziellen TV-Käufern sind über 40 Prozent bereit, mehr als 1000 Euro auszugeben – im Vorjahr wollten nur 30 Prozent so viel bezahlen. 11 Prozent kalkulieren sogar über 1400 Euro ein – diese Kaufbereitschaft müsse durch entsprechende Beratung im Geschäft befriedigt werden, forderte Kamp. Der Durchschnittspreis für in Deutschland verkaufte Fernseher liegt allerdings wie im vergangenen Jahr bei 600 Euro – trotz gestiegener Diagonalen. Es werden also weiterhin auch günstige TVs gekauft. (uk)



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