Dienstag, 18. Juli 2017

HTTP-Fehlercode 451: Tools sollen gegen Zensur helfen und sie transparent machen

HTTP-Fehlercode 451: Tools sollen gegen Zensur helfen und sie transparent machen

18.07.2017 13:48 Uhr Monika Ermert

(Bild: Jennifer Moo, CC BY-ND 2.0 )

Die Zensoren rüsten auf und die Bürgerrechtler ziehen nach. Hunderte Hosts weisen mit dem HTTP-Statuscode bereits zensierte Inhalte aus. Neue Werkzeuge sollen diese Zahl nun wachsen lassen und außerdem einen Überblick über die weltweite Zensur geben.

Bloggern und Browsernutzern soll der neue HTTP-Fehlercode 451 mit neuen Features schmackhaft gemacht werden. Statt der klassischen Fehlermeldungen offenbaren die 451-Rückmeldungen, dass Webinhalte zensiert wurden. Beim Hackathon der Internet Engineering Task Force (IETF) in Prag wurde das "Error 451"-Team, das darauf basierend verschiedene Werkzeuge entwickelt, mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Mit den Tools soll sich die Zensur beispielsweise leichter beobachten lassen. Das Team bringt Entwickler aus der Türkei, den USA, Jordanien, Deutschland und Indien zusammen.

Seit Ende vergangenen Jahres ist die Spezialfehlermeldung für Webseiten offizieller IETF Standard RFC7225. Statt unspezischer Fehlermeldungen (Error 404), können die Inhaber von Webseiten oder Dritte ihre Nutzer seitdem mit der Fehlermeldung "blocked for legal reasons" auf einen Eingriff von Zensoren aufmerksam machen. Laut einem in Prag vorgestellten Bericht über die Implementierung nutzen derzeit rund 500 Hosts in Ländern wie Russland, USA, China, aber eben auch Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich den spezifischen Fehlercode.

Während einige Plattformanbieter – etwa Github und Reddit – auf die spezielle Fehlermeldung zurückgreifen, machen andere wie Facebook, Twitter oder Youtube davon keinen Gebrauch. Außerdem ist nicht jede 451-Nachricht auch als Zensur gekennzeichnet.

Tools für den Fehlercode

Teilweise ist das Verschleierungstaktik und teilweise liegt das daran, dass die "Blocked-by"-Information des RFC7725 verschieden interpretiert wird. Das will das "Error 451"-Team durch neue Header-Felder im Standard klären. Für den praktischen Einsatz programmierten die Entwickler der American Civil Liberty Union, Article19, der chilenischen Derechos Digitales, dem Center for Democracy and Technology und anderen Organisationen eine Reihe neuer Tools.

Dazu gehört ein Plugin für den Browser Chrome, mit dem Nutzer gesperrte Seiten per Klick aber ohne Preisgabe persönlicher Daten an eine zentrale, derzeit von TurkeyBlocks betriebene Seite zurückmelden können. Auch an mehreren Crawlern wurde gearbeitet, die die 451-Meldungen aus dem Netz fischen, beziehungsweise Meldungen vom Browser-Plugin und von Wordpress 451-Meldern annehmen.

Zensur erleichtert

Die Leipziger Entwicklerin Ulrike Uhlig und der Jordanier Tara Tarakiyee arbeiteten derweil an einem Plugin für WordPress. Es erlaubt Autoren, die Zensuranordnungen für einzelne Länder anzuwenden und – wie im Implementierungsbericht empfohlen – die Zensoren, die rechtliche Grundlage und weitere Informationen mitzuteilen. Als Option vorgesehen ist auch, dem Nutzer den Zugang trotz der Blockieranweisung zu ermöglichen, "auf eigenes Risiko" sozusagen.

Alp Toker, Gründer und Treiber von TurkeyBlocks, sieht die neuen Tools mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ein Tool wie das Plugin für WordPress erleichtere die Arbeit der Zensoren und erlaube Blog-Autoren, wenn auch nicht ganz treffsicher, geobasiert zu blocken. Es könnte dadurch weniger unverhältnismäßig erscheinen, die Zensuranordnungen anzuwenden. Diese Gefahr wird auch im Implementierungsbericht angesprochen.

Ein Seismometer für die Zensur

Toker will dennoch voraussichtlich alle Tools in die vom TurkeyBlocks gebaute Censorship Incident Plattform aufnehmen. Auf NetBlocks sollen die Berichte der verschiedenen Crawler zusammenlaufen und abgeglichen werden. Insgesamt 17 verschiedene werkzeuge hat das Team schon integriert, berichtet Toker, und verspricht Berichte über die Zensursituation oder auch aktuelle Blockaden und das fast live.

NetBlocks werde auch die Kosten der Maßnahmen berechnen können. Das Filter-Sensor Netzwerk soll dabei noch ausgeweitet werden. Bislang nutzt TurkeyBlocks Proben, die in der Türkei konzentriert sind. Eröffnet werden soll das neue Seismometer für Zensur in den nächsten Monaten. Angst vor den Zensoren hat Toker übrigens selbst nicht. Netblocks werde wie TurkeyBlocks nur die rohen Daten liefern. Die Bewertung überlasse man anderen. (mho)



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