Dienstag, 18. Juli 2017

Ifo-Institut gegen Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor

Ifo-Institut gegen Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor

18.07.2017 12:58 Uhr Andreas Wilkens

(Bild: dpa / Franziska Kaufmann)

Die Wirtschaftsforscher des ifo-Instituts sind zwar nicht gegen alternative Antriebe, sie meinen aber, ein Verbot von Verbrennungsmotoren wäre nicht hilfreich.

Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung spricht sich dagegen aus, Neuwagen mit Verbrennungsmotoren zu verbieten. Ein solches Zulassungsverbot verhindere einen Wettbewerb der Umweltschutztechniken, sagte Institutspräsident Clemens Fuest am Dienstag in Berlin.

Besonders kleine und mittlere Zulieferer betroffen

Die vorgelegte Ifo-Studie kommt auf mindestens 620.000 Arbeitsplätze in Deutschland, die nach heutigem Stand von einem Aus für Benziner und Diesel betroffen wären. "Das heißt nicht, dass diese Arbeitsplätze wegfallen", betonte Fuest. Besonders bedroht wären aber 130.000 Stellen in kleinen und mittleren Zulieferfirmen. Die Studie wurde im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA) erstellt.

Um alternative Antriebsarten zu fördern, sollten nicht Verbrennungsmotoren verboten werden, sondern die Infrastruktur verbessert und nachfrageorientierte Anreize geschaffen werden, schreiben die Forscher. Der deutsche Anteil an den Patenten der führenden Wettbewerbsnationen im Zeitraum 2010 bis 2015 sei im Bereich Elektrofahrzeuge mit 34 Prozent führend, ebenso mit 32 Prozent im Bereich Hybridfahrzeuge. Das zeige, dass die technische Basis für alternative Antriebe in Deutschland vorhanden sei.

Steigender Strompreis

Die Studie basiert unter anderem auf Analysen der detaillierten Produktionserhebung im Verarbeitenden Gewerbe, um die Bedeutung der Technik des Verbrennungsmotors für Wertschöpfung und Beschäftigung in der deutschen Industrie darzulegen. Außerdem haben sie zu Umweltauswirkungen ein Prognosemodell entwickelt, das einen Vergleich des Kohlendioxidausstoßes im Verkehrssektor mit und ohne Zulassungsverbot bis ins Jahr 2050 ermöglichen.

Im ersten Geltungsjahr eines Zulassungsverbots für Pkw mit Verbrennungsmotoren müssten statt der bisher prognostizierten knapp 250.000 batterieelektrischen Fahrzeuge mehr als 3,3 Millionen solcher Autos zugelassen werden, um die fehlenden Neuzulassungen zu kompensieren, heißt es in der Studie. Bis zum Jahr 2050 würde die zusätzliche Stromanforderung auf 7,6 Prozent der Gesamtstrommenge ansteigen, was in einem Aufschlag auf den durchschnittlichen Strompreis in Deutschland von etwa 0,5 Prozent resultieren würde.

Für ein Verbot von Verbrennungsmotoren setzen sich insbesondere die Grünen ein. Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren sollen nach ihren Vorstellungen ab 2030 nicht mehr neu zugelassen werden. Der norwegischen Regierung schwebt vor, ab 2025 solche Autos nicht mehr zuzulassen.

(anw)



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