Mittwoch, 12. Juli 2017

Nex Machina angespielt: Meisterliches Voxelfeuerwerk

Nex Machina angespielt: Meisterliches Voxelfeuerwerk

12.07.2017 09:00 Uhr Andreas Müller

Der Twin-Stick-Shooter Nex Machina lässt die alten Arcade-Zeiten von Robotron und Defender wieder aufleben. Entwickler Housemarque setzt auf rasante Action und das Fingerspitzengefühl des Spielers. Nur ein Fall für Retrofans mit gut trainierten Daumen?

Nex Machina ist der neueste Streich des finnischen Entwicklerstudios Housemarque, das in den letzten Jahren mit Spielen wie Resogun oder Alien Nation auffiel. Retrofans werden sich vielleicht sogar an die Anfänge der Finnen auf dem Amiga mit Stardust erinnern. Für ihr neuestes Spiel haben sie sich den Robotron-Erfinder Eugene Jarvis als Berater zur Hilfe geholt.

Einmal blinzeln und du bist weg

Keine Zeit zum Luftholen: Schon vom ersten Moment an setzt mich Nex Machina unter pausenlosen Druck. Die Arenen sind eng und die Gegner zahlreich. Solange mir nur ein paar Minions folgen, kann ich sie einfach abballern. Dank der präzisen Steuerung klappt das wunderbar. Spätestens wenn die Gegner aber zurückschießen, sich teilen oder sich im Kamikaze-Stil auf mich stürzen, sind meine Spielübersicht und meine Reflexe gefragt.

Da lobe ich doch die Power-ups, die gelegentlich auftauchen, oder meine Spurtfähigkeit, mit dem ich durch die Gegnermassen presche. Dummerweise kann ich nur maximal fünf Power-ups aufnehmen. Dadurch kommt ein Hauch Taktik ins Spiel. Soll ich lieber den Raketenwerfer mitnehmen oder den Laser behalten? Ständig muss ich schnell wichtige Entscheidungen treffen. Sechs hektische Abschnitte geht das so und am Ende wartet immer ein mehrstufiger Bosskampf. Schwer, aber machbar.

Ja, es gibt einen Grund, warum ich das alles mache. Irgendwann in der Zukunft haben die Roboter die Macht übernommen und ich muss die Welt retten. Ist jetzt nicht gerade der originellste Plot, aber kümmert mich das? Nein, Nex Machina ist ein Highscore-Spiel. Um diesen zu brechen, muss ich nicht nur alle Gegner plattmachen, sondern auch jedes Geheimnis entdecken. Hinter der einen Wand versteckt sich ein Power-up, dann taucht ein Gegner auf, den ich unter Zeitdruck besiegen muss. Nicht zu vergessen die ganzen hilflosen Seelen, die ich wie in Defender vor den Robotern retten muss, um meine Punkte-Multiplier hochzujagen.

Speichern? Nein, danke

Housemarque hat nur wenig Erbarmen mit uns Spielern, denn Nex Machina ist eine harte Nuss. Das Spiel ist zwar in ein paar Stunden durchgespielt, aber echte Profis wollen den perfekten Run. Allerdings kann der schnell vorbei sein. Nur ein blöder Fehler und der Multiplier stürzt ab ins Bodenlose. Eine Speicherfunktion gibt es nicht. Sobald alle Leben verbraucht sind, kann ich wieder von vorne anfangen.

So schlank wie das Spielprinzip präsentieren sich auch die Spielmodi: ein Arcade-Modus zum Welten-kennenlernen, ein Single-World-Modus zum Perfektionieren und eine Online-Arena für die Punktejagd. Wer will, kann auch im lokalen Koop miteinander losballern. Die Highscores werden online gespeichert. Ein paar unnötige Schnörkeleien wie die Ingame-Währung, mit der ich die einzelnen Welten frei schalten kann, hätten sich die Macher sparen können. Das alles bremst das rasante Spielvergnügen etwas aus.

Dagegen braucht sich die Voxel-Grafik nicht zu verstecken. Bunt und knallig kommt sie daher und sorgt manchmal für etwas Orientierungslosigkeit. Aber das gehört bei dieser Kugelhölle dazu. Genauso wie der treibende Techno-Soundtrack, der gehörig Adrenalin pumpt.

Zwischenfazit

Nex Machina hat das Zeug zum modernen Klassiker. Das schnörkellose Spielprinzip und der knackige Schwierigkeitsgrad dürften zwar nicht jedermanns Sache sein, aber wer sich nur einen Hauch für Spiele wie Robotron oder Geometry Wars begeistert hat, dürfte hier genau richtig liegen. Nex Machina zeigt Klasse im Spieldesign: Wer sich reinfuchst, erkennt hinter dem Chaos schnell Methode. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch, aber fair. Jede Welt ist ohne ein Power-up zu schaffen und nur meine eigenen Fehler sind für eine Niederlage verantwortlich. Das ist die fast schon vergessene große Kunst des Spieldesigns. Eben typisch für einen echten Klassiker.

Nex Machina ist am 20. Juni für PC und Playstation 4 erschienen. Für unser Angespielt haben wir es ein paar Stunden auf dem PC gespielt. (dahe)



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