Dienstag, 11. Juli 2017

Virtual Reality auf der IFA: Hype oder Zukunftstechnik?

Virtual Reality auf der IFA: Hype oder Zukunftstechnik?

11.07.2017 16:51 Uhr Ulrike Kuhlmann

(Bild: dpa, Andrej Sokolow)

Ist Virtual Reality auf dem aufsteigenden oder absteigende Ast? Diese Frage stellte sich auf dem Pre-IFA-event der gfu. Zwar ähneln die Kurven 3D, doch es gibt etliche Befürworter.

Die Virtuelle Realität werde auf der kommende IFA und auch künftig eine große Rolle spielen, versicherte der gfu-Vorsitzende Hans-Joachim Kamp im Gespräch mit heise online. Die erhobenen Zahlen sprechen allerdings eine etwas andere Sprache. So besitzen aktuell nur 4 Prozent der von der gfu befragten Konsumenten eine VR-Brille und nur 15 Prozent interessieren sich für VR – im vergangenen Jahr waren es noch 20 Prozent. Zugleich können sich 18 Prozent der Befragten unter VR nichts vorstellen und die restlichen 63 Prozent haben kein Interesse an der virtuellen Realität.

Riesige Datenmengen

Ralf Schäfer vom Heinrich-Hertz-Institut in Berlin wies auf die hohen Anforderungen für VR hin. So brauche man mindestens 8K-Auflösung pro Auge, damit die Bilder durch die VR-Brille bei einem FOV von 120 Grad nicht mehr pixelig aussehen. Dabei seien nicht die Displays das eigentliche Problem – diese sind bereits in der Entwicklung –, sondern die enorme Datenmenge, die in Echtzeit verarbeitet werden muss.

Wie es letztlich mit VR weitergehe, könne er nicht abschätzen, erklärte Schäfer. Die Verlaufskurven ähnelten sehr denen von 3D, sein Institut werden jedoch am Ball bleiben. Das HHI hat bereits einige Erfahrung mit 360-Grad-Produktionen gemacht und beispielsweise für die FIFA das Endspiel der Fußball-WM in Rio aufgezeichnet.

360-Grad-Videos am TV

360-Grad-Videos unterscheiden sich von "echter" VR dadurch, dass der Zuschauer nur drei Freiheitsgrade hat: Er kann sich in Video nur umschauen, sich aber weder darin bewegen noch Objekte anfassen; das geht erst in echter VR mit dann sechs Freiheitsgraden.

Kay Meseberg, Projektleitung für VR bei Arte, berichtete von den Aktivitäten des Senders bei 360-Grad-Videos. Arte prüfe derzeit, welche Inhalte sich überhaupt für VR respektive 360-Grad-Videos eignen. Auf der IFA werden Arte an Samsung-TVs einige 360-Grad-Produktionen vorführen, berichtet Meseberg.

Meseberg sieht deutliche Grenzen der VR-Technik am TV. Es bestehe immer die Gefahr, dass der Zuschauer in die falsche Richtung schaut, während an anderer Stelle Wesentliches passiert und er dadurch etwas verpasst. Dem müsse man mit eigenen Techniken entgegenwirken – angedacht wurden bereits Lichtblitze oder akustische Störer. Ein 360-Grad-Film dürfe außerdem maximal acht Minuten dauern, bei noch längeren Sequenzen werde vielen Zuschauern erfahrungsgemäß übel.

In der Produktion und Postproduktion sei der Aufwand für VR deutlich höher und es erfordere Umdenken beim Schreiben des Skript und bei den Vorbereitungen. 360-Grad-VR eignet sich nach Ansicht von Meseberg besonders für sogenannte First-Moments, also beispielsweise das erste Mal in der Antarktis oder in der Stratosphäre. VR wird nach seiner Einschätzung auf lange Sicht Teil der Medienwelt, denn es erlaube einen völlig anderen Zugang zu spannenden Inhalten. (uk)



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